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Systemische Psychotherapie auf Krankenschein: sinnvoll und Kosten sparend
hinzugefügt am 27-04-2009 von Warras // twitter - facebook - xing - google+ - ticker
Die Aufnahme der Systemischen Therapie in die kassenfinanzierte ambulante Psychotherapie würde Wahlmöglichkeiten für Patienten und Therapeuten erhöhen und gleichzeitig das Wirkungsspektrum der Psychotherapie dort erweitern, wo es dringend notwendig ist. Das ist ein Fazit aus „Systemische Therapie als evidenzbasiertes Verfahren – aktuelle Fakten, Entscheidungen und Aussichten“ von Rüdiger Retzlaff und Kollegen in der aktuellen Ausgabe des Psychotherapeutenjournals.

Nachdem die wissenschaftliche Anerkennung der Systemischen Therapie durch ein Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie vom Dezember 2008 jüngst auch in Deutschland wieder bestätigt worden ist, steht die Entscheidung zur Integration in das Kassensystem an, die nach einem positiven Votum des Gemeinsamen Bundesausschusses erfolgen kann. Der Artikel im Psychotherapeutenjournal beschreibt die derzeitige Studienlage zur Systemischen Therapie und gibt einen Ausblick auf den Nutzen, den die Integration der Systemischen Therapie in das Kassensystem bieten kann.

Die Systemische Therapie zähle international zu den am weitesten verbreiteten Behandlungsverfahren in der ambulanten und stationären Psychotherapie sowie in Prävention und Rehabilitation. „Insbesondere bei schweren kostenintensiven psychischen Störungen mit hohem Leidenspotential auch für die Umwelt ist ihre Wirksamkeit empirisch gut belegt“, schreiben die Autoren, zu denen auch der derzeitige und der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF) gehören. So sei die Systemische Therapie aufgrund ihrer nachgewiesenen Wirksamkeit beispielsweise bei Magersucht international der wichtigste Behandlungsansatz und bei der Suchtbehandlung sei sie das am besten untersuchte Verfahren mit den positivsten Ergebnissen. Bei körperlichen Erkrankungen mit starken psychischen und sozialen Folgen sowie hohen Kosten für das Gesundheitswesen habe Systemische Psychotherapie günstige Effekte auf den Krankheitsverlauf. Aber auch bei den in der ambulanten Psychotherapie bisher besonders häufigen Angststörungen habe sich die Systemische Therapie bewährt.

Mit der Zulassung der Systemischen Therapie auf Krankenschein könnten auch die derzeit großen Engpässe in der psychotherapeutischen Behandlung von Kindern und Jugendlichen reduziert werden. Im Bereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie zähle die Systemische Therapie zu den Verfahren mit der „breitesten Evidenzbasierung“. Sie ist das zweite Verfahren überhaupt, dass die Anerkennungskriterien des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie für diesen Bereich erfüllt hat. Für eine Aufnahme der Systemischen Therapie in den Leistungskatalog der Krankenkassen sprächen schließlich neben einer vergleichsweise niedrigen Zahl von Sitzungen die hohe Patientenzufriedenheit bei diesem Verfahren und eine vergleichsweise geringe Abbruchrate während der Therapie.

Rüdiger Retzlaff, Kirsten von Sydow, Wilhelm Rotthaus, Stefan Beher, Jochen Schweitzer: Systemische Therapie als evidenzbasiertes Verfahren – aktuelle Fakten, Entscheidungen und Aussichten; Psychotherapeutenjournal 1/2009.
Aufsatz im Internet auf den Seiten der Bundespsychotherapeutenkammer: http://www2.bptk.de/uploads/retzlaff_ptj_2009_01.pdf


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