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„Berufsbetreuung rechnet sich“
hinzugefügt am 16-08-2016 von Melzer // twitter - facebook - xing - google+ - ticker
Der Koblenzer Bundestagsabgeordnete Detlev Pilger (SPD) schätzt die Arbeit der Berufsbetreuer/innen und setzt sich für die Verbesserung der Rahmenbedingungen ein.

„Jeder Euro, der in rechtliche Betreuung investiert wird, spart Folgekosten an anderer Stelle. Beim Blick über den Tellerrand wird deutlich, dass rechtliche Betreuung nicht nur von hohem gesellschaftlichem Wert ist, sondern darüber hinaus einen volkswirtschaftlichen Nutzen erbringt.“ Diese Überzeugung vertrat der Koblenzer Bundestagsabgeordnete Detlev Pilger (SPD) im Rahmen eines Praxistages, den er im Betreuungsbüro von Hans-Jürgen Schlief (BdB) verbrachte.

Berufsbetreuer Schlief stellte dem Politiker einige Klient/innen persönlich vor und erläuterte anhand ihrer Fallbeispiele die oft hochkomplexen Arbeitsabläufe und -prozesse. So sorgte Schlief dafür, dass die psychisch kranke Elisabeth M. aus einer Einrichtung in eine eigene Wohnung ziehen konnte, was die Stadt Koblenz Kosten in Höhe von 3.800 Euro pro Monat spart. Schlief beantragte für seine Klientin ein persönliches Budget. Die Behörden lehnten ab. Auch begleitende Hilfen, die die Betreute benötigt, um ihren Alltag meistern zu können, wurden erst nach Wochen genehmigt. Heute kann die Klientin dank Schliefs Knowhow ein weitgehend selbstbestimmtes Leben führen.

Anna L. hat dank gesetzlicher Betreuung nicht nur ihr Leben wieder in den Griff bekommen, sondern sich auch eine berufliche Perspektive erarbeitet. Die heute 31jährige litt unter einer Persönlichkeitsstörung in Verbindung mit Depressionen und Bulimie. Hans-Jürgen Schlief brachte die alleinerziehende Mutter zunächst in einer Einrichtung für betreutes Wohnen unter, um sie psychisch zu stabilisieren. Dann setzte er beim Jobcenter durch, dass L. eine Ausbildung zur Industriekauffrau absolvieren konnte. Weitere Maßnahmen folgten. Die Betreuung ist inzwischen aufgehoben. L. ist heute berufstätig und kann ihr Leben wieder selbst managen.

Mit durchschnittlich 3,1 abrechenbaren Stunden pro Klient/in und Monat à maximal 44 Euro sind solche Erfolge nicht zu schaffen, sagt Schlief: „Ich muss das Vertrauen eines Klienten gewinnen, seinen Willen, seine Wünsche, seinen Lebensplan ermitteln und schließlich gegenüber Behörden die Rechte meines Klienten durchsetzen. Viele Anträge werden ja zunächst mal abgelehnt. Dann lege ich Widerspruch ein. Das alles kostet sehr viel Zeit. Zeit, die ich nicht vergütet bekomme.“

SPD-Politiker Detlev Pilger hält die rechtliche Betreuung für unterbezahlt: „Bezahlung und Stundenkontingente sind nicht angemessen. Im Blick auf die Komplexität vieler Fälle und der wuchernden Bürokratie ist das Pensum in rund drei Stunden nicht leistbar. Auch habe ich den Eindruck, dass mit der Einrichtung einer Betreuung oftmals zu lange gewartet wird. Wenn die Unterstützung früh genug einsetzt, lassen sich Folgekosten und Folgeprobleme vermeiden. Ziel muss es doch sein, Betroffene in einem selbstbestimmten Leben zu unterstützen und sie im Idealfall wieder in ein unabhängiges Leben zu führen. Das spart der Gesellschaft unterm Strich am meisten Geld.“