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Zu wenig Zeit für Klient/innen | Dr. Johann Wadephul befürwortet Erhöhung der Zeitkontingente in der Betreuung
hinzugefügt am 10-09-2014 von Melzer // twitter - facebook - xing - google+ - ticker
„Die Zeitbudgets für Betreuung sind knapp kalkuliert!“ Das sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Johann Wadephul nach einem Gespräch mit Regina Rohde und Frank Cremer-Neihaus von der Landesgruppe Schleswig-Holstein des Bundesverbands der Berufsbetreuer/innen e.V. in Rendsburg.

Wadephul sitzt seit 2009 im Bundestag und ist Fachanwalt für Sozialrecht. Im Zentrum des Gesprächs mit den BdB-Vertretern standen neben der Frage des Zugangs zum Beruf vor allem die Rahmenbedingungen, unter denen Betreuer/innen aktuell arbeiten.

Durchschnittlich hat ein Betreuer 3,2 Stunden pro Monat und Klient zur Verfügung. „Die Zeit, die wir haben, reicht zum Reagieren, nicht aber zum Agieren“, sagen Rohde und Cremer-Neihaus. „Die Anforderungen sind in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Wir bekamen immer mehr Aufgaben übertragen und unsere Verantwortung ist gewachsen. Die Zeitbudgets wurden allerdings nicht an die heutigen Bedingungen angepasst.“

Betreuer Cremer-Neihaus machte folgende Rechnung auf: „170 Stunden erbringe ich mit eigener Arbeitszeit, weitere 100 delegiere ich an Mitarbeiter. Ich stelle also 270 Stunden pro Monat an Betreuungsleistungen zur Verfügung. Bei durchschnittlich 3,2 abrechenbaren Stunden benötige ich etwa 80 Fälle, um kostendeckend arbeiten zu können. Bei einer Erhöhung der Stundenkontingente würde ich die Fallzahlen entsprechend reduzieren. Ich würde also nicht mehr Geld verdienen, sondern könnte jedem einzelnen Klienten mehr Zeit widmen und somit die Qualität meiner Arbeit verbessern.“

Johann Wadephul zeigte Verständnis dafür, dass mit der aktuellen Stundenzahl die Fülle der Aufgaben kaum zu meistern ist. Im Sinne einer verbesserten Qualität könnte sich der Politiker vorstellen, dass die Zeitkontingente im Rahmen der Weiterentwicklung des Betreuungsrechts angehoben werden. Der Politiker gab zu bedenken, dass die Reduzierung von Fallzahlen pro Betreuungsbüro zu höheren Kosten in den Justizetats führen wird. Er empfahl dem BdB, das Gespräch mit den Bundesländern zu suchen. Nach der Haushaltsdebatte will Wadephul das Gespräch zu seiner Fraktionskollegin Sabine Sütterlin-Waack suchen, die im Rechtsausschuss Berichterstatterin für Betreuung ist.

Pressekontakt:
Bettina Melzer, nic communication & consulting GmbH, Danckelmannstraße 9b, 14059 Berlin
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