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Qualität für Pflegekinder
hinzugefügt am 12-07-2011 von Warras // twitter - facebook - xing - google+ - ticker
LVR stellt Ergebnisse des Leuchtturmprojekts Pflegekinderdienst vor / Universität Siegen führte Interviews mit über 100 Pflegekindern / Ziel: Qualitätsstandards für die Pflegekinderdienste entwickeln / Düsseldorf, Bornheim, Duisburg und Kamp-Lintfort sind Modellregionen

Köln. 12. Juli 2011. Über 8.000 Kinder und Jugendliche im Rheinland leben nicht bei ihren biologischen Eltern, sondern in einer Pflegefamilie. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Todesfälle in der Herkunftsfamilie, Krankheit oder ungünstige soziale Verhältnisse. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) hat in Köln nun die Ergebnisse des "Leuchtturmprojekts Pflegekinderdienst" vorgestellt.

Das Fazit aus dem Leuchtturmprojekt: Verantwortliche aus dem Jugendamt müssen nicht nur interessierte, authentische, qualifizierte Fachkräfte sein, sondern sie müssen auch über ausreichende Zeitressourcen verfügen. Ein vertrauensvolles Verhältnis lässt sich nur über einen längeren Zeitraum und durch viele positive Erfahrungen miteinander entwickeln, zum Beispiel in regelmäßigen Vier-Augen-Gesprächen. Eine kontinuierliche und umfassende Betreuung durch ein und dieselbe Fachkraft stellt eine wichtige Ressource für das Aufwachsen eines Pflegekindes dar. Die Empfehlung der Studie lautet, entsprechende organisatorische und personelle Rahmenbedingungen vorzuhalten, die dies ermöglichen.

Eine Forschungsgruppe der Universität Siegen unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus Wolf hat im Rahmen des Projekts gemeinsam mit Experten des LVR-Landesjugendamtes und kommunalen Pflegekinderdiensten Qualitätsstandards für das Pflegekinderwesen entwickelt. Über zwei Jahre haben die Forscherinnen und Forscher dazu Interviews mit ehemaligen Pflegekindern geführt. Ausgewertet wurden die Aussagen von über 100 Menschen, die im Rahmen verschiedener Projekte befragt wurden und in Pflegefamilien gelebt haben. In Zusammenarbeit mit den Jugendämtern der Städte Düsseldorf, Bornheim, Duisburg und Kamp-Lintfort wurden die Berichte analysiert. Das Ergebnis sind Handlungsempfehlungen für die Arbeit der Fachberatungen in den Jugendämtern.


"Die Arbeit der kommunalen Pflegekinderdienste ist sowohl im Rheinland als auch bundesweit sehr unterschiedlich ausgestaltet. Was auf der einen Seite eine größere Flexibilität verspricht, führt auf der anderen Seite zu Problemen bei der Einführung einheitlicher Standards. Das Leuchtturmprojekt definiert fundierte Qualitätsstandards und trägt so dazu bei, dass eine für das Kind bestmögliche Betreuung realisiert werden kann", sagt LVR-Jugenddezernent Reinhard Elzer.Die Studie beleuchtet die zentralen Problemfelder in einem Pflegeverhältnis aus der Sicht des Pflegekindes. "Unsere Ergebnisse sollen Fachkräfte dazu anhalten noch genauer und empathischer hinzuschauen, was dem Wohl des Kindes dient. Im Rahmen der Untersuchung haben wir deshalb die Bedingungen und die Begleitung der Unterbringung eines Pflegekindes immer auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen ausgerichtet", erläutert Prof. Dr. Klaus Wolf.

Es kristallisierten sich in den Befragungen acht zentrale Themen heraus, die für Pflegekinder eine herausgehobene Stellung einnehmen. Diese sind eng miteinander verknüpft und gleichermaßen für eine erfolgreiche Umsetzung relevant. Die Themen sind: zwischen zwei Familien (Herkunfts- und Pflegefamilie), Herkunft und Biografie, Besuchskontakte, Verwandtenpflege, Pflegekinder und ihre Geschwister, Beendigung von Pflegeverhältnissen und Nachbetreuung, Familienbilder von Pflegekindern und die Wahrnehmung von Pflegekinderdiensten durch Pflegekinder.


Die Arbeit der Fachkräfte in den Jugendämtern wird von Pflegekindern mitunter sehr unterschiedlich wahrgenommen: "Ich hatte vier, fünf Sozialarbeiter und das war ganz übel. Du hattest dich gerade an den einen gewöhnt und hattest Vertrauen zu dem und konntest dem auch mal was erzählen und hattest das Gefühl, dass er auch ein bisschen Interesse hat und nicht nur an seinem Job hängt. Und an dem Geld. Und dann kam halt der Nächste", berichtete ein ehemaliges Pflegekind im Interview mit den Forschern. Aber auch positive Erfahrungen mit den Pflegekinderdiensten wurden geäußert: "Der Herr Merten war von Anfang an dabei. Der hat mich so gesagt durch das Leben gejagt. Im positiven Sinn. Der hat mir doch sehr geholfen bei vielen Dingen", sagte ein weiterer Gesprächspartner.


Ansprechpartner für redaktionelle Rückfragen:

Till Döring
LVR-Kommunikation
Tel.: 0221 - 809 7737
till.doering@lvr.de

Fotos zu dieser Mitteilung finden Sie hier:

Bild zeigt eine Gruppe Männer und Frauen vor einem Leuchtturm. https://wcm.lvr.de/lvrressourcen/Presse/03/7521IMG_1785K.jpg
( Zoomansicht https://wcm.lvr.de/lvrressourcen/Presse/03/7521IMG_1785G.jpg )
Bild zeigt eine Rednerin vor Publikum. https://wcm.lvr.de/lvrressourcen/Presse/03/7521IMG_1765K.jpg
( Zoomansicht https://wcm.lvr.de/lvrressourcen/Presse/03/7521IMG_1765G.jpg )


Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) arbeitet als Kommunalverband mit rund 15.000 Beschäftigten für die etwa 9,6 Millionen Menschen im Rheinland.

Der LVR erfüllt rheinlandweit Aufgaben in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und der Kultur. Er ist der größte Leistungsträger für Menschen mit Behinderungen in Deutschland, betreibt 41 Förderschulen, zehn Kliniken und drei Netze Heilpädagogischer Hilfen sowie elf Museen und vielfältige Kultureinrichtungen. Er engagiert sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen.

Der LVR lässt sich dabei von seinem Motto "Qualität für Menschen" leiten. Die 13 kreisfreien Städte, 12 Kreise und die StädteRegion Aachen im Rheinland sind die Mitgliedskörperschaften. Sie tragen und finanzieren den LVR, dessen Arbeit von der Landschaftsversammlung Rheinland mit 128 Mitgliedern aus den rheinischen Kommunen gestaltet wird.