Gründung eines Fachverbandes zur Unterstützung einer flächendeckenden Grundversorgung für medienabhängige Personen

hinzugefügt am 14-12-2008 von Warras

Am 26.11.08 tritt der neugegründete Fachverband Medienabhängigkeit mit Sitz in Lüneburg erstmalig an die Öffentlichkeit.

Ausgangspunkt der Initiative sind alarmierende Daten über die Verbreitung exzessiver Nutzung von Bildschirmmedien wie Computerspielen und dem Internet unter Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aller Bildungsschichten. Nach einer Veröffentlichung des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen aus dem Jahr 2007 spielen 9 % der Jugendlichen im Alter von 15 Jahren mehr als 4,8 Stunden täglich Computerspiele. 5 % der Jugendlichen weisen Symptome auf, die auf eine beginnende oder bereits bestehende Computerspielabhängigkeit hinweisen. Zentrale Kennzeichen sind so etwa ein Verlust der Kontrolle über die Spielzeiten oder negative Konsequenzen, die in Schule und Freundeskreis zugunsten des Spielens zunehmend in Kauf genommen werden.

In dem Fachverband haben sich bundesweit professionelle Akteure aus der Forschung sowie pädagogische und therapeutische Fachkräfte zusammengeschlossen. Die Gründungsmitglieder arbeiten an bekannten Versorgungseinrichtungen wie etwa den Fachkliniken Nordfriesland, den HELIOS Kliniken in Schwerin und Beratungsstellen in Berlin, Lüneburg, Köln und Hannover sowie an Forschungseinrichtungen wie der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, der Medizinischen Hochschule Hannover und dem Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen.

Zunehmend schärft sich ein Verständnis für die gesellschaftliche Tragweite des Phänomens. „Mit einer Medienabhängigkeit drohen weitere Risiken für die betroffenen Kinder und Jugendlichen“, sagt Diplompsychologe und Vorstandmitglied Florian Rehbein. So seien computerspielabhängige Personen psychisch stärker belastet und aufgrund des Computerspielens einem erhöhten Leidensdruck ausgesetzt. Computerspielabhängige Jungen wiesen zudem eine erhöhte Leistungsangst sowie geringere Schulleistungen auf. „In Folge der Abhängigkeit von Medienwelten droht ein zunehmender Rückzug aus der realen Welt ins Virtuelle“, so Rehbein.

In Rückgriff auf diese Situation widmet sich der Fachverband Medienabhängigkeit als gemeinnützige Einrichtung dem Ziel, die Erkenntnislage zum Thema Medienabhängigkeit zu verbessern und als Netzwerk für beteiligte Akteure aus der klinischen, pädagogischen und wissenschaftlichen Praxis zu fungieren. „Die psychische Abhängigkeit von Unterhaltungsmedien wie Internet und Computerspielen muss zukünftig als Erkrankung anerkannt werden, damit Betroffene auf Krankenschein Hilfe in Anspruch nehmen können“, so Günter Mazur, Verbandsvorsitzender und Psychotherapeut an den Fachkliniken Nordfriesland. Angestrebt werde zudem, geeignete Präventionskonzepte zu fördern, um exzessiver und abhängiger Mediennutzung entgegenzuwirken.

http://www.fv-medienabhaengigkeit.de

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