Jugendliche und Kinder in Deutschland rauchen weniger und trinken weniger Alkohol

hinzugefügt am 24-08-2012 von Warras

Ein verbessertes Gesundheitsverhalten bei Kindern und Jugendlichen können Wissenschaftler auf Grund einer WHO-Studie feststellen. Der Gebrauch von Alkohol, Tabak und Cannabis sank in den vergangenen zehn Jahren.

Kinder und Jugendliche in Deutschland rauchen und trinken weniger Alkohol, das ergab die Kinder- und Jugendgesundheitsstudie („Health Behaviour in School-aged Children“; HBSC) der Weltgesundheitsorganisation WHO im Vergleich der Jahre 2002, 2006 und 2010. Hallesche Wissenschaftler um Professor Dr. Matthias Richter (Direktor des Instituts für Medizinische Soziologie) arbeiten in Deutschland an der Auswertung der Umfragen mit. Entsprechende Beiträge sind gerade in der Fachzeitschrift „Das Gesundheitswesen“ (Ausgabe 74; Jahrgang 2012) erschienen. Die HBSC-Studie wird seit mehr als 25 Jahren durchgeführt und stellt Daten zu Gesundheit sowie gesundheitsbezogenen Wahrnehmungen, Einstellungen und Verhaltensweisen von Schülerinnen und Schülern im Alter von 10 bis 16 Jahren zusammen. Die Befragungen erfolgen alle vier Jahre in mittlerweile über 40 Ländern, die insgesamt über 200.000 Kinder und Jugendliche einschließen – in Deutschland etwa 5.000. An den aktuellen Auswertungen nahmen neben der Martin-Luther-Universität die Universitäten in Bielefeld, Dresden und Hamburg sowie die FH Frankfurt teil.

Rauchen
Das regelmäßige Rauchen hat von 2002 auf 2010 deutlich abgenommen. „Die Rate bei den 13-Jährigen reduzierte sich von 14,1 Prozent im Jahr 2002 auf drei Prozent im Jahr 2010“, sagte Professor Richter. Besonders stark sei der Rückgang von 2002 auf 2006 gewesen. Deutlich war auch der rückläufige Trend bei den 15-Jährigen: von 33 Prozent auf 14,9 Prozent. Der geschlechtsspezifische Unterschied ist zwischen Jungen und Mädchen dabei relativ gering.

Alkohol
Beim Alkoholkonsum (regelmäßig bzw. alkoholbedingte Rauscherfahrungen) ist ein ähnlicher Trend wie beim Rauchen zu erkennen. Professor Richter: „Die Raten sind unabhängig von Alter und Geschlecht deutlich gesunken.“ Für wiederholte Rauscherfahrungen haben sich die Werte für die 13-Jährigen mehr als halbiert, bei den 15-Jährigen um ein Viertel reduziert. Ingesamt haben Jungen deutlich mehr Alkoholerfahrungen als Mädchen – anders als beim Rauchen.

Cannabis
Einen ausgeprägten Rückgang gab es ebenso beim Cannabiskonsum, wobei deutlich mehr Jungen als Mädchen Erfahrungen mit dieser Droge gemacht haben. Bei Jungen sank die Rate von 22 Prozent (2002) auf 10,7 Prozent acht Jähre später, bei Mädchen war ein Rückgang von 14,8 auf 5,7 Prozent zu verzeichnen.

Fazit: „Unter Berücksichtigung dieser Daten kann mit Blick auf die vergangenen acht Jahre von einer Trendwende gesprochen werden“, findet der hallesche Medizinsoziologe. Nach dem deutlichen Anstieg der Konsumraten von Tabak, Alkohol und Cannabis in den Jahren 1994 bis 2002 ist nun ein klarer Rückgang zu verzeichnen. „Besonders deutlich wird dies beim Rauchverhalten“. Die Wissenschaftler sehen dabei verschiedene Ursachen: zum einen gesetzgeberische Maßnahmen, zum anderen aber auch gesamtgesellschaftliche Veränderungen: „Die Einstellung gegenüber Rauchern und dem Rauchen ist gekippt“, fasst Professor Richter zusammen. Eine Erklärung könne die allgemeine Stärkung des Gesundheitsbewusstseins in der Bevölkerung sein und die höhere Bedeutung für die eigene Gesundheit der Heranwachsenden.

In den Befragungen konnte auch eine leichte Verbesserung der subjektiven Gesundheit sowohl bei Jungen als auch Mädchen über die vergangenen acht Jahre beobachtet werden. Die große Mehrheit der Kinder und Jugendlichen fühlt sich gesund (2002: 85,2 Prozent, 2010: 87 Prozent). Die soziale Benachteiligung – und damit das erhöhte Risiko für eine beeinträchtigte Gesundheit – sei nach Ansicht der Wissenschaftler allerdings nicht rückläufig. „Die sozialen Unterschiede in der Gesundheit sind über den Beobachtungszeitrum hinweg konstant geblieben.“ Kinder und Jugendliche in der untersten Wohlstandskategorie schätzen ihre Gesundheit deutlich schlechter ein als sozial Privilegierte.

Link zum Sonderheft:
https://www.thieme-connect.de/ejournals/issue/10.1055/s-002-23515

Quelle: http://idw-online.de/de/news492657

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