Sexueller Missbrauch:Ein Jahr Unabhängige Beauftragte - über 10.000 Anrufe und Briefe in der Anlaufstelle.

hinzugefügt am 23-03-2011 von Warras

Abschlussbericht erscheint im Mai.

Berlin, 23. März 2011. Vor einem Jahr wurde Dr. Christine Bergmann, Bundesministerin a.D., mit Kabinettbeschluss vom 24.03.2010 von der Bundesregierung zur Unabhängigen Beauftragten zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs ernannt. Seit Start der Geschäftsstelle im April 2010 sind über 10.000 Anrufe und Briefe in der Anlaufstelle der Unabhängigen Beauftragten eingegangen.
Abschlussbericht beinhaltet auch Erkenntnisse aus Studien und Befragungen der Unabhängigen Beauftragten Im Mai 2011 wird die Unabhängige Beauftragte ihren Abschlussbericht der Öffentlichkeit vorstellen. Neben der Auswertung der eingegangenen Anrufe und Briefe von Betroffenen sexuellen Missbrauchs werden darinauch Ergebnisse aus Studien und Befragungen vorgestellt, die von der Unabhängigen Beauftragten in Auftrag gegeben wurden, hierzu gehören eine Studie des Deutschen Kinder- und Jugendinstituts e.V. (DJI) zu sexuellem Missbrauch in Institutionen, eine Online-Befragung unter Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten zu ihrer Praxiserfahrung im Umgang mit sexuellem Missbrauch sowie eine Auswertung von Expertisen von Beratungsstellen zu dieser Thematik.
Wichtigstes Hilfeanliegen der Betroffenen: Unterstützung bei Therapie und Beratung Wesentlicher Bestandteil des Abschlussberichts der Unabhängigen Beauftragten sind die Empfehlungen für die Bundesregierung und den Runden Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch“ für materielle und immaterielle
Hilfen für Betroffene. Die Ergebnisse der Aufarbeitung der Unabhängigen Beauftragten belegen, dass das wichtigste Hilfeanliegen der Betroffenen, noch vor Entschädigung und Verlängerung der Verjährungsfristen, Unterstützung bei Therapie und Beratung ist.
„Die meisten Betroffenen leiden noch heute unter den Folgen des Missbrauchs, sie benötigen dringend Unterstützung bei der Bewältigung des Erlebten“, so Dr. Bergmann. Sie fordere deshalb alle gesellschaftlichen Kräfte auf, ein gemeinsames Signal der Verantwortung zu setzen und sich unabhängig von individuellen Entschädigungsleistungen einzelner Institutionen um eine gemeinsame Lösung bei den Hilfen für Betroffene zu bemühen. „Wir müssen nach der Erfahrung der letzten Monate davon ausgehen, dassMissbrauch in allen Institutionen und im familiären Kontext auftritt“, so Dr. Bergmann, „für die Betroffenen ist es ein wichtiges Zeichen der Anerkennung, dass der Runde Tisch eine gemeinsame Lösung bei den Hilfen findet“, Ein Hilfemodell, das an den Folgen des Missbrauchs ansetze, werde auch Teil ihrer Empfehlungen des Abschlussberichts sein.

Künftiges Angebot einer Anlaufstelle noch ungeklärt
Dr. Christine Bergmann wird noch bis Oktober 2011 als Unabhängige Beauftragte tätig sein. In der nächsten
Sitzung des Runden Tisches „Sexueller Kindesmissbrauch“ wird sie ihre Empfehlungen aus dem Abschlussbericht zur Diskussion stellen und die Einbeziehung ihrer Empfehlungen sowie die weitere Arbeit des Runden Tisches noch bis Herbst 2011 begleiten. Auch die telefonische Anlaufstelle der Unabhängigen Beauftragten, bei der noch immer täglich 50 Anrufe eingehen, wird noch bis Herbst 2011 fortgeführt. Viele Betroffene, die sich in der Anlaufstelle gemeldet haben, fordern auch zukünftig eine unabhängige Anlaufstelle für Betroffene. Welche Angebote für Betroffene eingerichtet und wie diese ausgestaltet werden können, darüber wird die Bundesregierung nach Abschluss des Runden Tisches „Sexueller Kindesmissbrauch“ entscheiden.

Weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten:
Telefonische Anlaufstelle der Unabhängigen Beauftragten: 0800-22 55 530 (kostenfrei)

Weitere Informationen zur Unabhängigen Beauftragten unter www.beauftragte-missbrauch.de

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